Warum Fantasy eines der schwierigsten Genres ist

Ein großer Wunsch vieler Autoren ist es, einen Fantasyroman zu schreiben.

Gut, gesagt, getan.

Aber dann der Schock – es erweist sich als (wesentlich) schwieriger als einen realitätsnahen Roman zu schreiben!

Warum ist das so?

Um das zu verstehen muss man sich bewusst machen, was von einem Roman, gleich welchen Genres, erwartet wird.
Ein Buch ist für den Leser in erster Linie Mittel zum Zweck: Unterhaltung. Das bedeutet, es ist ein Gegenstand, der den Konsumenten unterhält, ihn aus seiner gewohnten Welt holt und ihn in die Illusion eines anderen Lebens schickt.

Jeder der gerne liest, weiß wie ärgerlich ein Fehlkauf ist. Die Illusion wird nicht vollkommen aufgebaut, die Geschichte fesselt nicht, die Figuren kränkeln und wissen nicht so recht, was sie mit ihrer Rolle im Text anfangen sollen.

Doch warum ist Fantasy eines der gefährdetsten Genres für solche Dinge?

Stimmt, das kann in jedem Roman passieren.

Aber im Fantasy ist es am gefährlichsten.

Denn in diesem Bereich erschaffen wir komplett neue Welten.
Wir haben also eine wahnsinnig große, kreative Freiheit – aber ebenso viele Stolpersteine.

Es geht im Endeffekt um die Erschaffung einer Illusion – einer organischen Welt/Geschichte, die in sich stimmig ist. Uns fehlt die Rettungsleine der Realität. Was unser größter Segen ist, ist gleichzeitig eine Gefahr für unser Werk.

Das bedeutet, wenn wir

etwas festlegen, muss es für alle Charaktere (außer bei begründeten Ausnahmen) gelten.

Jede Unstimmigkeit beeinträchtigt die Illusion, also das Lesevergnügen des Lesers.

Das heißt, es ist ein großes Maß an Sorgfalt nötig, um die Welt stimmig zu gestalten.
Du bist als Autor Gott – beachte also, welche Kräfte du wem gibst.

Das Setup im Fantasy erfordert großes Spitzengefühl – zu leicht schnappt die Klischeefalle zu. Was im übrigen auch für die Handlung gilt.

Es gibt fast immer einen Magier/Kriegsherren/Dämon der die Welt erobern/zerstören will. Dagegen ist nichts einzuwenden – solange die Umsetzung stimmt.

Neue Rassen, Sprachen, Naturgesetze – völlig in Ordnung, solange sie für alle Bewohner der Welt gelten.

Die größte Schwierigkeit ist es also, eine Welt zu erschaffen, die innerhalb ihrer selbst stimmig ist.
Der Rest läuft wie bei jedem anderen Genre, tiefgründige Figuren, knackige Dialoge, fesselnde Story.

??? Auf welche Dinge muss man im Fantasybereich noch achten? Hinterlasse einen Kommentar! 🙂

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4 Thoughts to “Warum Fantasy eines der schwierigsten Genres ist”

  1. Engel

    Oftmals krankt das Fantasygenre gerade daran, dass jemand die Welt erobern will.

    1. Wie gesagt – Die Freiheit in der Fantasy ist gleichzeitig ihr Fluch 🙂

  2. Julia

    Gilt das auch für Sci-Fi Fantasy bzw. was ist da zu beachten?
    Ich habe die ganze Geschichte mithilfe eines Stufendiagramms gebaut und den roten Faden bis zum Schluss eingehalten. Dank des Diagramms konnte ich sogar noch einige Überraschungsmomente und Wendungen einbauen, die ich noch gar nicht auf dem Zettel hatte. Den Prolog habe ich schon fertig und von einer kritischen Freundin lesen lassen. Doch nun kommt das erste Problem: Kapitel 1! Ich habe so viele Informationen und muss aufpassen, sie nicht als Infodump runter zu leiern. Der Anfang ist die Hölle! Hast du nen Tipp? 🙂

    1. Hallo Julia,

      Grundsätzlich gilt für jedes Genre – Mit Infos sparsam umgehen und dem Leser nur das mitteilen, was er wirklich wissen muss. Am besten ist es, dich selbst bei jeder Information zu fragen: Braucht der Leser sie? Ist sie in diesem Kapitel/dieser Seite notwendig? 🙂

      Schön, dass dir das Stufendiagramm geholfen hat. Viele Wege führen zum fertigen Werk – Du schaffst das! 🙂

      Grüße,

      Linus

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