Von Vampiren, Werwölfen und der Freiheit – Ein Interview mit Benjamin Spang

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Vor kurzem hat uns Doppelmondautor Benjamin Spang seine sieben Lieblingstools verraten. Heute gibt es ein Interview mit dem

sympathischen Saarländer.

 

Linus: Benjamin, mit deiner Welt „Nuun“ hast du etwas völlig neues geschaffen – wie kam es dazu?

Benjamin: An der Welt und den Charakteren arbeite ich bereits seit 2005. Eigentlich war das Doppelmond-Universum ja als Echtzeitstrategiespiel für den Computer gedacht, das ich mit vielen anderen Kreativen realisieren wollte. Kommuniziert haben wir damals übers Internet, Icq, Skype, Forum usw. Wenig überraschend: In dem Spiel geht es um drei Parteien, Menschen, Werwölfe und Vampire, die sich bekämpfen. Innerhalb der Story hätte man alle drei Parteien spielen können. Durch das ganze Spiel über hätte man die Geschichte einer jungen Frau begleitet, daneben gab es viele Nebencharaktere. Vergleichen kann man das Spiel am ehesten mit Warcraft 3, nur eben düster und melancholisch.

2011 habe ich die ersten Storys geschrieben, die damals als nette Dreingabe für das fertige Spiel gedacht waren. Am Ende kamen sie in den ersten Band von „Kurzgeschichten aus Nuun„, das ich im November 2012 via Kindle Direct Publishing veröffentlicht habe.


– Um was geht es ganz grundsätzlich in Nuun?
Ums Überleben, Kampf und Schicksale.

– Hast du ein Lieblingsvolk? Mit wem kannst du dich am meisten identifizieren?

Ich mag sie alle. Die Menschen mit ihrem Steampunk-Style und die Vampire mit ihrer düsteren Erscheinung ebenso wie die wilden und unbeherrschten Werwölfe.

– Plottest du, wenn ja, wie?
Natürlich plotte ich meine Geschichten, bevor ich damit beginne sie zu schreiben. Meist habe ich eine Kernidee, wie z.B. einen spannenden Ort oder das überraschende Ende einer Story. Darauf baue ich dann die Geschichte und überarbeite sie zig Mal, bis sie bereit ist zur Veröffentlichung.
Ohne zu plotten würde ich nicht wissen, worauf die Geschichte hinausläuft bzw. was ich mit der Geschichte eigentlich sagen möchte. Auch Autoren, die einfach losschreiben haben zumindest einen groben Pfad i
m Kopf, dem sie folgen wollen.

– Welche Tools benutzt du zum Schreiben?
Der eigentliche Schreibprozess findet in Scrivener statt. Über Evernote schreibe ich mir Notizen, die ich dann auch mobil auf dem Smartphone morgens im Bus bearbeiten kann. Stift und Papier nutze ich auch sehr häufig, um über einzelne Handlungsabschnitte zu grübeln.

– Woher beziehst du deine Ideen?
Viele Ideen kommen von den Zeichnungen, die während der Entwicklung des Spieleprojekts entstanden sind. Ebenso habe ich bereits einige Dokumente mit Charakterbeschreibungen in dieser Zeit verfasst, aus denen ich viel Material genommen habe und noch nehmen werde. Selten habe ich Ideen von Filmen oder anderen Büchern. Das letzte Mal wurde ich von den Kurzgeschichten von Daniela Herbst, einer befreundeten Autorin, inspiriert. Mit dieser Inspiration entstanden meine Kurzgeschichten für das kleine Büchlein „Leckerbissen„.

– Wenn du einen Tag in Nuun leben könntest – was würdest du tun?
Ich würde eine der sicheren Menschenstädte aufsuchen und mir diese genauer anschauen.

– „Kurzgeschichten aus Nuun 2“ steht kurz bevor – bist du nervös?

Eher angespannt, weil ich bis zum 15. Dezember noch viel zu erledigen habe, und das alles zeitlich unter einen Hut kriegen muss. Neben meiner Tätigkeit als Autor habe ich ja noch einen 8-Stunden-Job und eine Freundin.
Von der Qualität meiner Geschichten bin ich überzeugt, da sie nicht zuletzt auch ein professionelles Korrektorat bekommen haben. Nervös bin ich eher bei den Druckausgaben, die ich bei Epubli bestelle. Da muss ich natürlich höllisch aufpassen und es dürfen mir keine Fehler durch die Lappen gehen, denn ein Rückgaberecht hat man nicht. Wenn ich dann 60 Euro für 6 Bücher ausgebe und hinterher auch nur einen klitzekleinen Fehler entdecke, ärgere ich mich zu Tode. Aber wie heißt es so schön: Edit or regret it!unterm_tisch

– Wie lange brauchst du für eine Kurzgeschichte?
Das kann ich nicht genau sagen, da ich meine Arbeit an einer Geschichte immer wieder unterbreche, um an einer anderen Story zu arbeiten. Dadurch will ich verhindern, zu sehr in eine Geschichte abzutauchen, um grobe Fehler zu vermeiden. Passieren mir doch welche, werden sie entweder von einem Testleser, spätestens aber im professionellen Korrektorat von Kerstin entdeckt.
Allgemein arbeite ich sehr lange an einer Story, dafür bin ich am Ende aber auch hundertprozentig damit zufrieden. Meinen genauen Arbeitsprozess habe ich hier einmal dargestellt.

– Die Cover deiner Bücher haben einen comicmäßigen Stil. Wie kommts?
Für den ersten Band von Kurzgeschichten aus Nuun habe ich eine Zeichnung von Simon Kramhöller verwendet, der diese in der Zeit, in der wir das Spiel entwickeln wollten, angefertigt hatte. Es waren sehr viele talentierte Zeichner im Team, deren Ergebnisse jetzt in meine Bücher fließen. Wäre ja auch sehr schade, wenn die tolle Arbeit auf meiner Festplatte versickern würde.

Das aktuelle Cover hat die tolle Elif Siebenpfeiffer gezeichnet, mit der ich hier auch ein Interview geführt habe.

– Du weist auf der Rückseite der Printausgabe von „Kurzgeschichten aus Nuun“ darauf hin, dass du verlagsunabhängiger Autor bist. Ist dir deine Freiheit wichtig?

Auf jeden Fall. Mit dem Schreiben und Veröffentlichen möchte ich genau das umsetzen, was ich mir ausgedacht habe. Werbung machen für meine Geschichten ist auch eine Sache, die zwar viel Zeit und Arbeit kostet, dafür aber genau so abläuft, wie ich mir das vorstelle.verlagsunabhaengigDas klingt jetzt so, als hätte ich keine Lust bei einem Verlag zu unterzeichnen, dem ist aber nicht so. Auch diesen Weg möchte ich einmal gehen! Wenn also ein Verlag Interesse an mir hat, kann er sich jederzeit melden und mit mir einen Vertrag aushandeln!

 

– Dein erstes Buch war ein Ratgeber namens „Die kleine Lebensfibel“ – bist du Optimist?
Ganz und gar nicht. Es gibt zwar viele Situationen in denen ich sehr optimistisch bin, aber meistens bin ich doch eher Pessimist.
In dem Buch habe ich den Idealfall beschrieben, die Denkweise, mit der man am besten durchs Leben kommt. Dass dies nicht immer einfach ist, weiß ich aus täglicher Erfahrung. Das Leben ist manchmal nicht einfach, aber oft macht man es sich auch selbst unnötig schwer. Mit meiner kleinen Lebensfibel möchte ich da ein wenig Abhilfe schaffen.

 

– Was für Tipps hast du für Schreibanfänger?

1. Schreiben und lesen jeden Tag!
2. Lernt erst euer Handwerk, bevor ihr eure Texte verkaufen wollt.
3. Sein Handwerk zu lernen heißt, viele Bücher übers Schreiben zu lesen und vor allem auch viel zu schreiben. Gewöhnt euch eine tägliche Schreibroutine an. Übung macht den Meister!
4. Gewöhnt euch an den Rhythmus „Schreiben – Veröffentlichen – kritisiert werden – Verbessern – Schreiben – Veröffentlichen – kritisiert werden … usw.“
5. Nicht aufgeben. Ausdauer ist das Fundament aller Tugenden!

Vielen Dank für das Interview!

cover

 

 

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