Von Frodo, Grundplots und der Ersatzprobe – Wie man auf neue Ideen kommt

Interessanterweise kommen vielen Lesern die Plots diverser Romane vage bekannt vor. Zumindest, wenn sie zwei Romane des gleichen Genres hintereinander lesen.
Manche Leser erwarten das sogar: Was wäre ein Thriller ohne Psychopath? Ein Krimi ohne Täter und Verbrecherjagd?

Richtig – nicht lesenswert.

Trotz der Vielfalt an Genres sind die meisten Texte von der Grundidee gleich.
In seinem Buch „The Seven Basic Plots: Why We Tell Stories“ erklärt Chistopher Hooker dies genauer:

Er geht davon aus, dass es genau sieben Grundgeschichten gibt.

1 – [wo]man vs. nature
2 – [wo]man vs. man
3 – [wo]man vs. the environment
4 – [wo]man vs. machines/technology
5 – [wo]man vs. the supernatural
6 – [wo]man vs. self
7 – [wo]man vs. god/religion

Das ist eigentlich gar nicht so verkehrt. Wenn man darüber nachdenkt stellt man aber fest, dass die Plots doch total individuell sind?
Stimmt auch.

Man muss unterscheiden zwischen der Grundstory und dem ausgestalteten Plot; letzterer macht (unter anderem) den speziellen Ton des Autors aus.

Ein Beispiel:

Was die Grundstory betrifft kann man „Herr der Ringe“ und „Percy Jackson“ gleichsetzen.

Betrachten wir das Ganze aus der Nähe: Beide Bücher haben eine sogenannte „Heldenreise“ zur Grundlage (übrigens abgekupfert von „Odysseus“). In beiden Büchern begibt sich der Held mit Begleitung seiner Kameraden auf den hindernisreichen Weg zu einem lokalen Ziel:
In „Herr der Ringe“ geht Frodo zum brennenden Berg um den Ring der Macht zu zerstören. Im ersten Teil von Percy Jackson pilgert Percy in den Hades, mit dem Ziel seine Mutter zu befreien.

Die beiden haben übrigens noch mehr gemeinsam als Kameraden und ein festes Reiseziel, das (unter Schwierigkeiten) erreicht werden soll.

Nämlich das Motiv!

Auf den ersten Blick haben Ring zerstören und Mami retten zwar nicht unbedingt die gleiche Motivation;
näher betrachtet aber schon: Liebe und Pflichtgefühl.

Frodo will den Ring zerstören um die Wesen in Mittelerde vor Sauron zu retten. Wenn das keine Liebeserklärung an das Leben ist – und er ist der einzige, der es tun kann. Ein gewisses Pflichtgefühl schlägt also ebenfalls durch.

Percy will seine Mutter aus dem Hades befreien – Ebenfalls Liebe und Pflichtgefühl. Er hat sie ja schließlich (unverschuldet) dort hin gebracht.

Wie auch immer – die Geschichten könnten in der Ausgestaltung unterschiedlicher nicht sein.

Und das macht einen guten Autor aus: Die Geschichte ist, was man daraus macht.

Merke:
Genre, Charakter (-schwächen/-stärken), Kameraden und der eigene Schreibstil machen das Werk individuell.

Nehmen wir an, wir geben Frodo einen Slang und versetzen die Geschichte nach New York in den 2000ern.
Sagen wir, er muss keinen Ring zerstören sondern einen Mikrofilm, der die USA politisch zerstören kann.
Und diesen Film findet er in unserem brennenden Berg aka Weißes Haus.

Er muss also nach Washington und in eine Festung eindringen.

Im Original muss Frodo in das Land der Orks und in den Berg von Sauron eindringen.

Na, merkste was? Heldenreise ist das Zauberwort.

Es gilt also, sich eine der sieben Grundgeschichten herauszupicken und selbst auszugestalten.

Hier ein Tipp zur Ideenfindung:

Nimm das Skelett eines Plots und mach die „Ersatzprobe“.

Beispiel an „Herr der Ringe“:

Der Hobbit Frodo zieht mit seinen Gefährten aus, um den Ring der Macht zu zerstören, ein Ring der ganz Mittelerde in Dunkelheit zu tauchen droht. Unterstützt wird er von seinen Gefährten: Dem Elf Legolas, dem Zwerg Gimli, dem Zauberer Gandalf und einigen anderen. Auf der Reise werden die Gefährten getrennt, finden aber wieder zusammen. Frodo begegnet dem ehemaligen Hobbit Gollum, der von dem Ring besessen ist. Am Schicksalsberg angekommen will Gollum den Ring an sich nehmen und stürzt bei dem Versuch mitsamt dem Ring in die Feuer des Schicksalsberges.

Mit Ersatzprobe:

Der Hund Jim zieht mit seinen Gefährten aus, um die das Herz der Dunkelheit zu finden, eine Reliquie, die ihn in einen Mensch verwandeln kann. Unterstützt wird er von seinen Gefährten: Dem Hahn Karl, dem Lama Norbert, dem Roboter Q und einigen anderen. Auf der Reise werden die Gefährten getrennt, finden aber wieder zusammen. Jim begegnet dem Vampir Arthur, der der Suche besessen ist. Am Schrein des Herzens angekommen will Arthur die Reliquie an sich nehmen und wird bei dem Versuch mitsamt dem Herz durch dessen Energie zerstört.

Ein absolut neuer Plot, nur durch Ersetzen einzelner Elemente.

Wir sehen also, die „Ersatzprobe“ kann sich als wertvolle Hilfe bei der Plotentwicklung erweisen.

??? Wie kommst du auf Plots? Wendest du diese Technik an? Hinterlasse einen Kommentar! 🙂

Frohes Schaffen!

L.

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One Thought to “Von Frodo, Grundplots und der Ersatzprobe – Wie man auf neue Ideen kommt”

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