Von der geistigen Kaffeefahrt und Schreibübungen

Inspiration ist ein schwieriges Thema. Vor längerem habe ich zwar schon einmal darüber geschrieben, aber nur kurz ein paar Grundideen geliefert. Wie inzwischen hinlänglich bekannt sein dürfte, ist Schreiben ein Handwerk, dass ständiger Übung bedarf. Aber auch für Übungsgeschichten braucht man Ideen.

Inspiration ist das, was uns Schriftstellern die Ideen beschert. Ganz banal gesagt jetzt.  Interessant ist, dass der Trend ja derzeit dahin geht, dass sämtliche Ideen geclustert, gemindmapt, durch Tabellen in Form gebracht und durch ein Plotgerüst, enger als ein Korsett, festgehalten werden müssen. (Wenngleich das 7-Punkte-System relativ frei ist!)

Bei Schreibübungen denke ich aber, dass ein solches Vorgehen übertrieben ist, ja  Anfänger unter Umständen sogar ausbremst. Zumindest, wenn sie „nur“ das Handwerk durch Schreibübungen verbessern wollen.

Das ist keinerlei Kritik an dieser Vorgehensweise – sie hat durchaus ihre Berechtigung. Für Profiprojekte zum Beispiel. Allerdings kommt nicht jeder Autor mit diesen künstlichen Systemen zurecht:

Es gibt auch Autoren, die einfach drauflos schreiben. Wie ich, als ich anfing zu schreiben und keine Ahnung von Plotsystemen oder Plotgestaltung im Allgemeinen hatte. Inzwischen weiß ich es besser. (Gott sei Dank, wer einmal ohne Planung einen Roman mit ca. 400 Seiten geschrieben hat, weiß wovon ich rede 😉 )

So oder so – man benötigt Ideen um zu schreiben; Welche Variante man vorzieht, Mindmapping/Clustering oder „ins Blaue“ zu schreiben bleibt einem selbst überlassen.

Ich persönlich mag es aber, bei Schreibübungen einfach ins Blaue zu schreiben, oder mir nur ganz kleine Eckpunkte zu setzen – weit abseits von dem Druck, ein möglichst gutes Werk zu produzieren. Ich lasse mich einfach von den Figuren entführen, und erlebe, entdecke das weitere Geschehen mit ihnen zusammen. Das ist ein Weg, sich inspirieren zu lassen. Ich nenne das übrigens die „geistige Kaffeefahrt“.

Wenn man nicht weiß, wohin die Reise geht, kann man sich auch nicht über den Weg beklagen.

Eine andere Möglichkeit ist es natürlich, den Bewusstseinsstrom zu nutzen und daraus eine Geschichte zu machen. Eine sehr wirkungsvolle Methode der Inspiration – wenn man sich darauf einlässt.

Es gibt nur eine Sache, die man unbedingt vermeiden muss.

Zwang.

Richtig gelesen, Zwang. Wenn man sich zum Schreiben zwingt, ist das ungefähr so sinnvoll, wie  einen wütenden Stier mit Bachblütentherapie und tibetischem Kehlkopfgesang zu beruhigen. Ein Riesenaufwand, der auch bestimmte Resultate hervorbringt – aber es wird nicht wirklich effektiv funktionieren.

Wie kommt man jetzt an Inspiration? Zwang haben wir als absoluten Kreativitätskiller ausgeschlossen.

Es verhält sich folgendermaßen: wenn wir uns entspannen, öffnet sich unser Geist. Was sich esoterisch anhört, ist wissenschaftlich belegt. Im entspannten Zustand ist unser Gehirn leistungsfähiger. Das ist auch der Grund, war einem die besten Ideen kommen, wenn man sich mit etwas vollkommen anderem beschäftigt – das bewusste Denken macht in dem Moment Kaffeepause.

Wenn du also üben willst, geh auf eine geistige Kaffeefahrt. So ganz ohne Stress.

Frohes Schaffen,

L.

???Lässt du dich manchmal von Geschichten mitreissen? Wenn ja, warum, wenn nein, warum nicht? Was für Ergebnisse bekommst du, wenn du „ins Blaue“ schreibst? Hinterlasse einen Kommentar! 🙂

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