Schwäche kann ein Zeichen von Stärke sein: Warum Helden mit Makel interessanter sind

Jeder kennt das alte Spiel: Der Fiesling hat Böses im Sinne und der Held kommt und stoppt ihn. Soweit so gut. Aber wenn das ganze so schnell und glatt funktioniert ist die Sache ziemlich langweilig. Damit der Leser wirklich mit dem Charakter leidet, benötigt unser Held eine Schwäche. Bekannte Beispiele gibt es genug: Der Held Siegfried in der Nibelungensage beispielsweise ist unverletzbar. Außer einer kleinen Stelle der Schulter, die ihm zum Verhängnis wird. Achilles, der Halbgott, war ebenfalls nicht klein zu kriegen. Paris trifft ihn an der Ferse und nutzt damit seinen Schwachpunkt aus. Wir sehen also, ist dem Antagonisten die Schwachstelle (zu seinem Unglück und zur Verzückung des Lesers)…

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Dialoge – Wie man eine Autobahn ins Hirn des Lesers baut

Ein Fehler, der mir oft begegnet ist, dass die Dialoge nicht sorgfältig genug ausgestaltet sind. Sie wirken dann hölzern, steif, man könnte fast sagen gezwungen. Dabei verschenkt man aber einen entscheidenden Vorteil: Dialoge transportieren Emotionen. Und zwar auf stringente Weise, direkt ins Hirn des Lesers. Ähnlich einer Autobahn werden Informationen direkt dorthin geschickt, sodass der Leser nicht alles aus irgendwelchen Beschreibungen herauslesen muss. Warum schreiben „Sie war wütend über seine Vergesslichkeit“? Im Dialog kommt diese Tatsache viel besser heraus: „[…], du vergisst doch immer alles! Den Boiler, den Ofen, sogar meinen Geburtstag! Es reicht mir!“, keifte sie „und was bitte“, fuhr sie in ihrer Tirade fort,“macht der Hammer im Kühlschrank?!?“ Dieses…

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Warum nur tragende Figuren einen Namen bekommen sollten

Vor kurzem entbrannte eine interessante Diskussion auf Twitter. Es ging darum, ob nur Hauptfiguren einen Namen bekommen sollen. Ganz so pauschal kann man das nicht beantworten, aber nur eine Figur, die Bedeutung für die Handlung hat, sie mitgestaltet, hat meiner Meinung nach einen Namen verdient. Das bedeutet, Namen sind im Normalfall Haupt- und Nebenfiguren vorbehalten. Statisten müssen ohne auskommen. Um das genau zu verstehen, muss man zwischen Nebenfigur und Statist unterscheiden. Während die Nebenfigur eine spezifische Rolle erfüllt, also ein Handlungsträger ist, füllen Statisten lediglich »niedere Aufgaben« aus, die von wenig bis keiner Bedeutung für den Text sind. Namen zeigen, dass die Figur wichtig ist, von Bedeutung für die Geschichte,…

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Ein Weg um den Infodump zu vermeiden

Ein Problem vieler Manuskripte, die auf meinen Tisch kommen, ist Folgendes: Sie sind die Länge gezogen, große Teile meist überflüssig. Sie enthalten einfach zu viele Beschreibungen, zu viel Information auf einmal. Sie enthalten Infodumps. Müsste man es definieren, könnte das wie folgt aussehen: Infodumps sind eine starke Anhäufung von teilweise überflüssigen Informationen, die den Leser überfordern. Sie zeichnen sich durch eine hohe Informationsdichte, insbesondere bei der Biographie und Beschreibung von Charakteren, aus. Was ist jetzt so schlimm an den Informationsmüllkippen? Info ist doch gut, oder? Nur bedingt. Man darf den Leser nicht überfordern. Der Leser muss langsam an die Geschichte herangeführt werden, er will sie erleben und keine ellenlangen Beschreibungen…

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Was unsere Figuren motiviert

Die Motivation ist eine der Triebfedern des Romans. Hand aufs Herz – ohne Motivation würdest du nicht schreiben, oder? Genau so verhält es sich mit den Figuren: Jede Handlung hat ihren Grund. Warum will der Bösewicht die Weltherrschaft an sich reißen? Aus welchem Grund will der Protagonist das verhindern? Alles im Roman baut aufeinander auf. Aktion und Reaktion; die Handlungen der Figuren bilden eine Kausalkette, sie bedingen und beeinflussen sich gegenseitig. Beispiel: Der Bösewicht entführt ein fünfjähriges Kind mit Diabetes in Nordkorea. Der Protagonist lebt in Deutschland, kennt das Kind nicht und weiß nichts von der Entführung. Schließlich liest er es in der Zeitung. Es mag ihn vielleicht ergreifen, aber…

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Ich Babo, du nix – Slang im Roman

Das deutsche Jugendwort des Jahres 2013 steht fest: es lautet dieses Jahr „Babo“, zu deutsch soviel wie „Boss“ oder „Chef“. Ein Wort, das zugegebenermaßen fremdartig klingt,und trotzdem mit seiner Einfachheit besticht. Ein Grund, warum es sich im Jugendslang durchgesetzt hat. Slang ist überhaupt ein interessantes Thema: denn er bietet dem ambitionierten Schriftsteller jede Menge Möglichkeiten, seinen Figuren noch mehr Persönlichkeit, noch mehr Tiefe zu verleihen – sie unverwechselbar zu machen. Prinzipiell ist Slang eine gute Sache – zumindest im Roman. Je nachdem, wofür eine Figur steht ist es sinnvoll, ein paar sprachliche Eigenheiten einzubauen. Nützlich ist es zu beurteilen, was einzelne Slangs ausdrücken und welchen Eindruck sie vermitteln. Auch müssen…

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Warum man Beschreibungen wie neue Fische im Aquarium behandelt

Charaktere sind gewissermaßen das Salz in der Suppe. Wir nehmen Anteil an ihrem Schicksal, zittern mit ihnen, bangen um sie, oder verfluchen sie für ihre Dummheit. Manchmal verachten wir sie, aber immer sind wir interessiert wie es mit ihnen weiter geht. Figuren dürfen nicht zu abstrakt, nicht feinstofflich sein. Der Leser braucht schon etwas handfestes. Und das möglichst schön verpackt. Insbesondere Beschreibungen sind ein schwieriges Thema. Da wird oft alles haarklein beschrieben: vom Scheitel über die lange Nase, die vollen Lippen, die langen Arme, die kurzen Beine, bis zum abstehenden Hammerzeh. Es ist nicht sinnvoll, in ellenlange Beschreibungen zu verfallen, das ist zuviel Information. Das ist ähnlich wie bei Fischen.…

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Von Namen und ihrer Wirkung

Wenn man schreibt benötigt man zwangsweise Namen für seine Personen, sofern es keine Kurzgeschichten sind. Doch einige Dinge gilt es bei der Namenswahl zu beachten. Zum einen muss der Name zur Persönlichkeit des Charakters passen! Beispiel: 1. Die 14-jährige Edeltraud ist sehr modebewusst und will Model werden. 2. Die 14-jährige Emma ist sehr modebewusst und will Model werden. Welchen Namen würdest du eher für eine 14-jährige Protagonistin verwenden? Tipp: Emma passt einfach besser, wenn wir von einem Werk im Jahr 2013 ausgehen 😉 Eine zweite interessante Sache ist, dass man mit Namen zugleich Eigenschaften beschreiben kann. Folglich muss man sich überlegen wie man seine Figuren nennt. Muss man nicht, wird…

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