Szenen komponieren für Anfänger – der szenische Dreischritt

Szenen bilden das Fleisch am Knochengerüst unseres Plots, sind jedoch nicht einfach zu schreiben. Mal wirken sie deplatziert, mal zu langweilig oder unpassend. Oder sie wirken gar nicht, weil der Aufbau nicht stimmt. Aber wie bringt man eine Szene dazu zu wirken?

Im Endeffekt muss man sich eines merken:

Die Wirkung resultiert aus dem Arrangement.

Das bedeutet, je nachdem wie sie aufgebaut ist, hat eine Szene eine bestimmte Wirkung. Ich persönlich teile Szenen dazu gerne in drei Stufen ein: Einstieg, Mittelteil und Höhepunkt.

Beispiel (kaum ausgeschmückt, nur zu Verdeutlichung):

In unserer Szene geht es darum, dass der Butler seinem Dienstherrn Gift ins Essen gemischt hat.

Einstieg:

James grauste es vor dem was er vorhatte, aber er hatte keine Wahl. Die Umstände zwangen ihn dazu. Als die Tür aufging atmete er tief durch, straffte die Schultern und begab sich in die Höhle des Löwen.

Mittelteil:

Alles war vorbereitet, die letzte Mahlzeit seines Herrn war von dem arglosen Koch sorgfältig angerichtet worden. Die silberne Glocke glänzte, der Speisewagen klapperte. Würde die Dosis ausreichen? Der Lord bedankte sich, als James den Teller vor ihm abstellte und einen guten Appetit wünschte.

Höhepunkt:

Dezent zog sich der Butler zurück und wartete darauf, dass sein Dienstherr mit der Mahlzeit begann. Dieser hielt jedoch plötzlich inne. Ahnte er etwas? James begann zu schwitzen. Langsam führte der Lord die Gabel zum Mund. Kaute, schluckte. Ein Schluck Wein zum Nachspülen.
Plötzlich schob er den Teller von sich weg. Ihm sei der Appetit vergangen, James könne abräumen. James fluchte innerlich, kam dem Wunsch jedoch nach. Es gab schließlich noch andere Mahlzeiten. Plötzlich hörte er ein Keuchen. Sein Herr starrte ihn aus weit aufgerissenen Augen an, unfähig zu sprechen. Es funktionierte. Ein Bissen hatte genügt. James frohlockte geistig. Während er den Todeskampf des Lords beobachtete, räumte er den Tisch ab, ganz der treusorgende Butler.

Die Szene wurde jetzt nicht wirklich ausgeschmückt, denn die wichtigen Inhalte sind vorhanden.
Ein Einstieg, der in die Szene einführt, ein Hauptteil, der die Grundhandlung darstellt und der Höhepunkt, bei dem die Weichen für die weitere Handlung gestellt werden.

Indem wir unsere Szene einteilen haben wir immer den Überblick, inwiefern sie die Handlung vorantreibt.

Anfangs habe ich erwähnt, dass es auf das Arrangement ankommt; das stimmt auch, wenn man Szenen anders aufbaut.

Es ist beispielsweise ebenfalls möglich, die Szene mit mehreren Höhepunkten auszustatten. In diesem Fall müssen sie so arrangiert werden, dass sie die größtmögliche Wirkung erzielen.

Frohes Schaffen,

L.

??? Wie baust du Szenen auf? Hinterlasse einen Kommentar! 🙂

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