Kreatives Schreiben – Der Versuch einer Begriffsklärung

Wenn wir uns mit der Schriftstellerei beschäftigen, ob als Hobby oder hauptberuflich, stoßen wir zwangsläufig auf den Begriff „Kreativ“. In Verbindung mit dem Schreiben wird daraus „Kreatives Schreiben“. Aber was bedeutet „Kreativ“ überhaupt? Und ist Schreiben nicht immer kreativ?

Nein.

Der Begriff „Kreativ“ leitet sich von dem lateinischen Wort „creare“ ab. Frei übersetzt bedeutet das Wort „etwas (neues) schaffen, herstellen“.

Das heißt also, kreatives Schreiben bezeichnet im ursprünglichen Sinne das Schaffen eines neuen Textes. Folgt man diesem Gedanken weiter, liese sich daraus folgern, der Autor der Fernsehzeitung oder die Schafferin der wöchentlichen Horoskope widmet sich regelmäßig dem kreativen Schreiben.

Sachlich gesehen zumindest.

Das „Kreativ“ kann sich also nicht auf das reine Schaffen eines neuen Textes beziehen, wenn man vermeiden will „Die Blechtrommel“ und „TV von Morgen“ auf eine Stufe zu stellen.

Beziehen wir „Kreatives Schreiben“ jedoch auf die Schaffung eines neuen Inhalts, kommen wir der Sache näher.
Der aufmerksame Leser wird jetzt sagen „Aber aber! Auch das Horoskop und das TV-Programm liefern neue Inhalte!“ Und damit hat der verehrte Leser recht. Man muss präzisieren. Beschränken wir den Begriff kreatives Schreiben also auf fiktionale Inhalte.

Wenn wir uns an den Ursprung von „Kreativ“ erinnern, und uns auf den Inhalt beziehen, sowie uns im fiktionalen Bereich bewegen, bietet sich folgende Möglichkeit an:

Kreatives Schreiben bedeutet, einen Text mit neuem, frischen Inhalt zu verfassen.

Fehlt bei dieser Erklärung etwas? Ja. Jeder neue Text hat einen (zugegebenermaßen manchmal nur geringfügig) anderen Inhalt. Er unterscheidet sich in zahlreichen Faktoren, von der Story, den Figuren über die Umsetzung.

Wir müssen unseren Gedanken also erweitern.

Kreatives Schreiben bedeutet, einen Text mit neuem, frischen Inhalt zu verfassen, wobei die Verarbeitung des Themas sich durch die Art der Umsetzung (z.B Blickwinkel, Plot, Struktur) umfassend von ähnlichen Werken unterscheiden soll.

Klingt schon ein wenig besser, wenn auch ein wenig aufgeblasen.

Fakt ist:

Kreativität = Innovation.

Eine einfache Formel. Kreativ ist, was frisch, was ungewöhnlich ist. Etwas, was so noch nicht da war ist kreativ.

Ein Beispiel:

J.K. Rowlings Romanzyklus „Harry Potter“ trieft vor Klischees. Aber die Art und Weise, wie sie schreibt, ihr eigenes Universum, ihre eigene Parallelwelt geschaffen hat – das war so noch nicht da. Und deshalb schlugen ihre Romane ein, wie eine Bombe.

Ein anderes Beispiel der jüngeren Zeit ist „Shades of Grey“. Analysiert man die Romane, stellt man fest, dass sie nicht sehr gut geschrieben sind – was das Handwerk betrifft. Die Story ist vorhersehbar, die Twists platt. Die Bücher wurden dennoch ein Erfolg.
Das lässt sich auf einen einfachen Grund herunterbrechen: Die Grundstory.

Der Aspekt des Verdorbenen, der Schattenseite der Sexualitat, der Zwiespalt zwischen Lust und Schmerz, das Extrem – das wurde so noch nie oder selten gesellschaftsfähig verarbeitet.

Wir können also folgern, dass kreatives Schreiben bedeutet, neue Inhalte in frischer Form niederzuschreiben.

??? Wie denkst du über den Begriff „Kreatives Schreiben“? Gibt es andere Sichtweisen, die ich nicht berücksichtigt habe? Hinterlasse einen Kommentar! 🙂

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