Die Schneeflockenmethode – Bastelzeit für deinen Plot!

Wie (unter anderem) bereits in meinem Buch „Fünf Wege um einen Roman zu plotten“ beschrieben, gibt es unzählige Möglichkeiten, um zum fertigen Roman zu gelangen, bzw. die Story, den Plot zu entwickeln.

Eine davon ist die Schneeflockenmethode.

Bei dieser Methode aus der Feder von James N. Frey beginnt alles mit einem einzigen Satz, der ausgeweitet wird. Mal grob formuliert.

Im Detail läuft das folgendermaßen ab:

Schritt 1:

Fasse die Handlung deines Buches in einem Satz zusammen. Und zwar nur die Kernhandlung. Die Details und Nebenhandlungen sind jetzt erst einmal unwichtig. Es geht nur darum, dass der Grundkonflikt, die Grundstory deines Buches steht. Nimm dir dafür ungefähr eine Stunde Zeit.

Das könnte dann beispielsweise so aussehen:

Beispiel:

Ein Samurai gerät durch einen Zeitstrudel in die Neuzeit.

In der Kürze liegt wie Würze! Mach deinen Satz nicht zu lange, und lasse sämtliche Namen oder Platzhalter weg. Es genügt, wenn man weiß, WAS deine Figur ist (z.B. in meinem Beispiel der Samurai, anderes Beispiel: Cowboy, etc…), das genügt erst einmal, um den Grundkonflikt zu skizzieren.

Dieser Satz, deine Prämisse, ist das Leitmotiv deines Werkes, der rote Faden, die Basis.

Schritt 2:

Nimm dir noch einmal eine Stunde Zeit und erweitere deine Prämisse auf fünf Sätze. Um genau zu sein: Beschreibe im ersten Satz den Startpunkt deiner Geschichte, in den nächsten drei Sätzen wichtige Wendepunkte und im letzten Satz das Ende des Buches.
Du kannst, wenn du bereits mehr Wendepunkte im Kopf hast, auch mehr als drei Zeilen schreiben….ganz nach Belieben 😉

Beispiel:

1. Der Samurai wird durch einen Zeitstrudel in die Neuzeit verfrachtet und von den Behörden in die Psychiatrie gesteckt.

2. Er streckt das Personal nieder und flieht

3. Er trifft auf drei abgedrehte Kiffer, die ihm Glauben schenken

4. Er flieht vor den Behörden und erfährt von einem alten Japaner in einem Sushirestaurant, wie er in seine Zeit zurückkehren kann

5. In letzter Sekunde, bevor sich der Strudel schließt, kann er in seine Zeit zurückkehren.

Schritt 3:

Als nächstes sind die Charaktere an der Reihe: Nimm dir so viel Zeit wie du brauchst und erstelle für jeden Charakter einen Charakterbogen, in dem du folgende Dinge aufschreibst:

  • Name des Charakters
  • Ein-Satz-Zusammenfassung der Geschichte des Charakters (siehe Schritt 1)
  • Die Motivation des Charakters (Gerechtigkeit, Liebe, Freundschaft etc.)
  • Das Ziel des Charakters (Der Samurai will zurück in seine Zeit)
  • Was hindert ihn daran, sein Ziel zu erreichen? (Personen, Umstände, Gefühle etc.)
  • Die Konsequenz (was lernt der Charakter, wie verändert er sich?)
  • Die Fünf-Sätze-Zusammenfassung der Geschichte des Charakters (siehe Schritt 2)


Kollidieren die Charakterzüge mit dem Plot, dann ändere ihn! Ansonsten läufst du nämlich Gefahr, dass die Figuren nicht mitspielen….;)

Außerdem ersparst du dir im Vorfeld dann jede Menge Korrekturarbeit. (Wer schon einmal 300 Seiten Handlung umschreiben musste, weiß, was ich meine…)

Schritt 4:

Mache aus jedem Satz deiner Zusammenfassung von Schritt 2 wieder jeweils fünf Sätze. Beachte, dass die Absätze ineinander enden sollen, d.h. organisch zusammenpassen müssen. Der letzte Absatz erzählt das Ende des Buches. Du führst also in jedem Fünfzeiler nun diesen einen grundlegenden Satz ein wenig aus.
Jetzt hast du ein das Skelett für deinen Plot und kannst neue Ideen einarbeiten. Ändere, was nicht passt!

Schritt 5:

Ich empfehle, sich für diesen Schritt mehr Zeit zu lassen. Ein oder zwei Tage sollten es schon sein. Nimm deine Charakterblätter und beschreibe die Handlung aus Sicht des jeweiligen Charakters, damit du dich besser in sie hineinversetzen kannst.

Schreibe für eine Hauptfigur ca. eine Seite, für Nebenfiguren reicht eine halbe.

PS: Wenn sich etwas ändert: Umschreiben des Plots nicht vergessen! 😉

Schritt 6:

Nimm deine Fünfzeiler aus Schritt vier und erweitere jeden Absatz auf eine Seite. So verhinderst du Logikfehler! Nach wie vor gilt die Devise „Wenn sich etwas ändert, einarbeiten!“
Lass dir dafür ruhig länger Zeit. Eine Woche ist ok.

Schritt 7:

Nimm deine Charakterblätter und lege sämtliche Details und Veränderungen von Anfang bis Ende der Geschichte fest.

Schritt 8:

Erstelle dir eine Tabelle mit so vielen Spalten an, wie du sie brauchst. Beispielsweise eine für die Handlung, eine für die Erzählperspektive, eine für den Ort, das Ziel, die Motivation….so viele wie du eben brauchst. In diese Spalten trägst du deine Szenen aus Schritt 6 ein und hast damit einen praktischen Überblick über das Geschehen in deinem Roman.

Schritt 9:

Lege für jedes Kapitel, das du schreiben willst ein neues Dokument an und füge die jeweiligen Szenen aus Schritt 8 ein. Diese erweiterst du zu seinem Absatz und kannst dann bereits die ersten Dialoge einfügen. Prüfe deine Szenen dahingehende ob sie den Roman weiterbringen. Tun sie das nicht, streiche sie oder arbeite sie um.

Schritt 10:

Jetzt gehts ans Schreiben. Du hast jetzt den absoluten Überblick über dein Buch, die Charaktere, die Szenen und die Kapitel. Stell es dir als eine Art Grundgliederung vor, an der du dich langhangelst, während du die Details ausformulierst.

Denk daran: Du hast ja nur die Grunddinge festgelegt. Wie du sie ausgestaltest bleibt deiner Kreativität überlassen.

Ziel dieser Methode ist es, dir einen genauen Überblick über dein Werk zu geben. Indem du dich bereits im Vorfeld mit den Zusammenhängen des Plots beschäftigst, wird die Gefahr minimiert, dass während des Schreibens Logikfehler auftreten oder du dich im Schreibprozess „verrennst“. Mir ist klar, dass diese Methode nicht für jeden geeignet ist, aber nützlich ist sie allemal.

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Frohes Schaffen,

L.

???Benutzt du die „Schneeflockenmethode“? Kennst du sie anders, bzw. machst du sie anders? Hinterlasse einen Kommentar! 🙂

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2 Thoughts to “Die Schneeflockenmethode – Bastelzeit für deinen Plot!”

  1. […] es viele – einige bevorzugen es ganz akribisch, detailreich und genau und arbeiten mit der Schneeflockenmethode. Mir persönlich ist das zu viel Arbeit. Ja, ich bin eine bekennende faule Plotsau und arbeite […]

  2. Wermaus

    Bei den ersten paar Erzählungen ging’s mittendrin ohne geplanten Plot nicht mehr weiter und die mit genauem Plot wurden ein langweiliges lineares Von-einem-Punkt-zum-nächsten-Gerenne. Inzwischen bin ich persönlich bei einem Mittelding angekommen, bei dem die Handlung nur grob vorgegeben ist. Das funktioniert ganz gut. Und kleinere Sachen schreibe ich immer noch einfach mal drauflos und lasse mich überraschen.

Deine Meinung? :)