Dialoge – Wie man eine Autobahn ins Hirn des Lesers baut

Ein Fehler, der mir oft begegnet ist, dass die Dialoge nicht sorgfältig genug ausgestaltet sind. Sie wirken dann hölzern, steif, man könnte fast sagen gezwungen.

Dabei verschenkt man aber einen entscheidenden Vorteil: Dialoge transportieren Emotionen. Und zwar auf stringente Weise, direkt ins Hirn des Lesers. Ähnlich einer Autobahn werden Informationen direkt dorthin geschickt, sodass der Leser nicht alles aus irgendwelchen Beschreibungen herauslesen muss.

Warum schreiben „Sie war wütend über seine Vergesslichkeit“?
Im Dialog kommt diese Tatsache viel besser heraus:

„[…], du vergisst doch immer alles! Den Boiler, den Ofen, sogar meinen Geburtstag! Es reicht mir!“, keifte sie „und was bitte“, fuhr sie in ihrer Tirade fort,“macht der Hammer im Kühlschrank?!?“

Dieses Beispiel zeigt zum einen den Ärger der Frau und zum anderen unterstreicht er den Charakterzug der Vergesslichkeit mit einer Steigerung.
Durch eine einfache Beschreibung hätte man diese Informationen zwar auch einbringen können – aber auf weit weniger interessante Weise.

Dialoge eignen sich auch ausgezeichnet um innere Konflikte zu zeigen oder zwischenmenschliche Spannungen zu zeigen.

Beispiel für den inneren Konflikt:

„Sei doch vernünftig! „, flehte ich Jazz an, während mein innerer Schweinehund angesichts seiner Pläne in Stürme des Applauses ausbrach.
Er seufzte. „Glaub mir, das bin ich. Es ist die einzige Möglichkeit.“ Der Schweinehund in mir lächelte und bestellte bereits geistig Fanartikel. Jazz würde sich nicht umstimmen lassen.
„Nein bist du nicht! Du wirst umkommen!“

oder für zwischenmenschliche Spannungen:

„Wenn wir nicht im selben Team wären“, grollte der Soldat,“würde ich dich abknallen ohne mit der Wimper zu zucken.“ Ein stahlharter Blick bohrte sich in meine Augen und lies mich frösteln.
„Gut, das wir im selben Team sind!“, versuchte ich die Stimmung aufzulockern.
„Wer weiß, wie lange noch.“ Ein grausames, kaltes Lächeln umspielte seine Lippen.

Wir halten also fest:

Dialoge sind die ultimative Verkörperung der Regel „Show, don’t tell“

Es gibt allerdings zwei Grundregeln für Dialoge.

1. Dialoge sind nicht das gleiche wie ein echtes Gespräch!

Eine der wichtigsten, wenn nicht sogar DIE wichtigste Regel für Dialoge: Sie sind nicht das gleiche wie ein echtes Gespräch, obwohl sie durchaus authentisch sein müssen. In einem echten Gespräch wird allerdings der Sprachfluss von Füllwörtern, Wiederholungen, Floskeln und unzähligen Pausen unterbrochen. Der Dialog im Roman ist eine komprimierte Version davon. Das bedeutet, alles im Dialog, jedes Wort, jede Zeile hat eine Funktion.

Schlechtes Beispiel:

„Ja, also ähm…ich bin der Meinung, du solltest das unterlassen, weil es mir unangenehm ist. Ich finde, das, mh, irgendwie störend.“

„Ach sei doch nicht so! Ich weiß, dass es dir eigentlich gefällt…vielleicht können wir ja nachher, ich weiß auch nicht, einen Kaffee oder so trinken gehen?“

„Ich habe dir doch schon gesagt, dass ich das nicht möchte. Ich finde das gehört sich nicht für eine verheiratete Frau.“

Gutes Beispiel:

„Lass das, das nervt!“

„Ach komm, ich weiß dir gefällt das! Gehn wir nachher noch was trinken?“

„Nein, zum zweiten Mal. Ich bin verheiratet!“

Wenn man diese Beispiele vergleicht, fällt einem unmittelbar auf, dass „nicht straffe“ Dialoge den Leser aufhalten. Obwohl im zweiten Beispiel die gleichen Informationen enthalten sind, liest es sich besser.

 

2. Ein Dialog, der die Handlung nicht weiterbringt, hat im Text nichts zu suchen!

Die Überschrift sagt eigentlich schon alles, aber nochmal:Ein Dialog hat die Funktion, die Handlung weiterzuführen und verleiht den Figuren mehr Tiefe. In Dialogen lassen sich sehr gut Informationen und Hinweise auf vergangene oder zukünftige Ereignisse oder über die Beziehung der Charaktere vermitteln. Ohne Dialoge wäre das Vermitteln dieser Informationen eine ziemlich trockene und langweilige Angelegenheit.

 

???Wie gestaltest du deine Dialoge? Welche Regeln könnte man noch aufstellen? Hinterlasse einen Kommentar! 🙂

 

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