Dialoge – Kraft durch Gesprochenes

Dialoge haben etwas Mystisches. Das behaupte ich jetzt einfach so.

Warum?

Aus einem einfachen Grund. Wenn es jeder gebacken bekommen würde Dialoge zu schreiben, die den Leser aus den Socken hauen, dann gäbe es keinen Anlass zu diesem Artikel. Klingt hart, ist aber leider bittere Realität. Viele Autoren (mich eingeschlossen) haben manchmal Schwierigkeiten bei den Dialogen.

Bei manchen Indie-Büchern habe ich den Eindruck, die Autoren wissen auch gar nicht wozu Dialoge gut sind. Egal.

Du bist hier, weil du deine Dialoge verbessern willst? Gut, legen wir los!

Als erstes muss man sich klarmachen, welche Funktion Dialoge erfüllen: Sie sind ein Mittel, die Erzählung voranzubringen, Figuren zu charakterisieren und Informationen zu liefern, ohne den Leser zu Tode zu langweilen.

Das heißt also, Dialoge vermitteln in erster Linie Informationen, die sonst anderweitig transportiert werden müssten. Aber wer will schon trockene Erklärungen zum Werdegang eine Kommissars lesen? (nur so als Beispiel 😉 )

Solche Informationen können beispielsweise wunderbar in Dialogen eingebaut werden. Mit Sätzen wie „Als du noch beim Drogendezernat warst, hattest du da nicht so einen ähnlichen Fall?“ oder „Du bist schon 20 Jahre dabei, geh du doch vor…“ kann man die Geschichte voranbringen und Informationen beiläufig mitteilen, ohne den Leser mit der gesamten Biographie des Charakters zu überfordern.

Das Schema gilt übrigens für alle Informationen. Man kann auch wunderbar Charakterzüge beschreiben.

„Wo ist Mary?“

„Sie wickelt den Küchentisch mit Klopapier ein.“

„Schon wieder?!“

Solch ein Dialog wäre z.B. eine indirekte Charakterisierung. Abhängig vom Kontext lässt sich hier ableiten, dass Mary entweder

a) verrückt

oder

b) ein kleines Kind

ist.

Je nachdem, welche Hintergrundgeschichte die Charaktere beeinflusst, hat der Dialog eine bestimmte Wirkung auf den Leser. Zudem erfährt dieser, dass Mary dieses Verhalten schon des öfteren gezeigt hat, bzw. solches Verhalten für die beiden Redner keine ungewöhnliche Verhaltensweise darstellt.

Wichtig ist bei Dialogen außerdem, dass sie realen Gesprächen nicht ähneln. Dialoge sind straffer. Sie haben ein Ziel. Jedes Wort bringt die Geschichte weiter. Um das obige Beispiel zu bemühen:

„Wo ist Mary?“ –> Mary fehlt

„Sie wickelt den Küchentisch mit Klopapier ein.“ –> Mary führt in der Küche eine Handlung aus

„Schon wieder?!“ –> Das Verhalten ist bekannt, der Sprecher betont die Häufung der gleichen Verhaltensweise

Faustregel: Floskeln, Füllwörter (also Worte, die keine Funktion haben) und Wiederholungen sind tabu!

Bedenke, dass du bei Dialogen immer die Möglichkeit hast die perfekte Antwort zu formulieren.

Wie oft ist es dir schon passiert, dass dir eine passende Erwiderung auf einen Kommentar erst später eingefallen ist?

So etwas passiert unseren Charakteren nicht. Außer ihre Rolle ist so geschrieben.

Beispiel:

Chef: „Herr Müller, machen Sie noch etwas anderes, außer lebendige Dekoration zu sein?“

Hr. Müller:

Antwort a) „Entschuldigen Sie, ich war kurz abgelenkt, kommt nicht wieder vor.“

Antwort b) „Natürlich, wenn ich Zeit dazu habe fülle ich sogar den ein oder anderen Antrag aus! Ansonsten verbreite ich auch noch ein ganz wunderbares Raumklima.“

Welche Antwort ist besser? Richtig!

Und was haben wir von solchen Dialogen als zusätzlichen Vorteil?

Exakt. Mehr Tiefe bei den Charakteren.

Wir sehen hier den Chef als strengen Arbeitgeber und Hrn. Müller als schlagfertigen Spaßvogel, der sich nicht einschüchtern lässt. Man könnte das ganze natürlich noch mit Mundart oder Sprachverkürzungen würzen.

Das Sprachniveau spielt ebenfalls eine Rolle:

Ein Arzt spricht bestimmt von „einer großen Summe“, ein Gauner wird eher sagen „’n Haufe Knete“, wenn es um einen größeren Geldbetrag geht.

Dialoge benötigen immer eine Funktion. Keine Funktion, kein Dialog. Denn besitzt er keine Funktion, bringt der Dialog den Text nicht weiter, ergo kann er weggelassen werden.

Das heißt konkret: Dialoge machen überall dort Sinn, wo Informationen beiläufig eingestreut werden sollen, oder Erklärungen aufgrund der Erzähldynamik hinderlich sind.

Als Beispiel:

Schauplatz Gerichtsmedizin. Der leitende Arzt hat die Aufgabe, den Ermittlern die Todesursache zu erklären. Und zwar so, dass sie diese auch ohne Medizinstudium verstehen. Man könnte jetzt erklären, warum ein Kopfschuss tödlich ist. Lange, ausführlich, aus Sicht der Neurochirugie und der Medizin. Oder man kann den Arzt einfach sagen lassen

„Das Projektil trat in der linken Schläfe ein“, der Arzt zeigte auf das kleine schwarze Loch am Kopf der Leiche, „und trat durch den Hinterkopf wieder aus. Das Opfer hatte keine Chance, viel war von seinem Hirn nicht übrig.“

Und schwuppdiwupp, haben wir alles ganz leicht erklärt.

Man hätte auch sagen können, dass die 4mm-Kugel in einem 30°-Winkel den linken Schläfenlappen zerstört hat, anschließend durch den präfrontalen Cortex ging, und nebenbei die Amygdala verwüstete.

Diese Details interessieren aber zu dem Zeitpunkt kein Schwein, außer dem Arzt.

Das Opfer ist tot, weil es eine Kugel in den Kopf bekam. Basta.

Es gibt natürlich Momente in denen Erklärungen unverzichtbar sind. Aber dazu werde ich ein andermal schreiben 🙂

Wie schreibst du deine Dialoge? Hast du bestimmte Schemen nach denen du vorgehst? Wie empfindest du Dialoge, worauf kommt es an?

Hinterlasse einen Kommentar mit deinem Wissen!

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