Darfs ein wenig mehr sein? Wie man den Bösen noch böser macht.

Gut, zugegebenermaßen, der Titel klingt ein wenig seltsam. Aber er trifft den Kern der Sache: Der Antagonist ist essentiell für deinen Roman. Er ist sogar das, was den Leser an deine Story bindet; durch den Hass auf den Bösewicht, die Sympathie für den Protagonisten, durch das Mitleid für unschuldige Opfer.

Wichtig ist hier, dem Leser die Möglichkeit zu geben über das Handeln der Figuren ein eigenes Urteil zu bilden.

Dein Antagonist ist böse? Ok, aber ist er wirklich diabolisch? Kann ihn der Leser aus tiefster Seele hassen, ihn verachten? Hast du alle Möglichkeiten ausgeschöpft? Ohne dir zu nahe treten zu wollen – ich glaube nicht. Es geht immer fieser.

Um wirklich großartige Charaktere zu erzeugen, muss man über den normalen Maßstab hinausgehen!

Nehmen wir an, dein Antagonist hat den Helden gefangen. Er könnte ihn jetzt entweder einfach töten, oder ein wenig quälen. Oder, was das gemeinste wäre: dafür sorgen, dass der Held vor eine Entscheidung gestellt wird, bei der er in jedem Fall etwas verliert.

Beispiel:

Der Held ist eingesperrt und der Raum füllt sich mit Wasser. Vor ihm liegt ein Schlüssel, eine Tür führt in die Freiheit. Nimmt er den Schlüssel und berührt damit die Tür, wird der Stuhl, auf dem seine große Liebe festgekettet ist, unter Strom gesetzt. Benutzt er den Schlüssel nicht, wird die Dame seines Herzens überleben – aber dafür muss der Held ertrinken.

So oder so: der Held steckt in der Klemme, und das ist (in diesem Fall) auch gut so, es steigert die Dramatik. Und Drama ist der Stoff aus dem großartige Geschichten gemacht werden.

Es muss natürlich nicht immer so drastisch sein – es hängt davon ab, welche Art von Bösewicht du gestaltest. Einen skrupellosen Immobilienhai? Einen Soziopathen? Einen wahnsinnigen, total abgedrehten Mörder? Jemanden, der verblendet ist, und ein gutes Ziel mit falschen Mitteln anstrebt?

Es geht bei den Gegenfiguren um das Gesamtbild: Wäre es nicht gemein, den Held im obigen beispiel noch damit zu quälen, dass er seine große Liebe durch ein Fenster sehen kann? Wäre das nicht der ultimative Triumph, den Helden bei seiner Entscheidung zu beobachten?

Welcher Verstand steckt hinter deinem Gegner? Der Schläger von nebenan strebt nicht nach der totalen psychischen Vernichtung. Er braucht nur eine Brechstange. Der Großmogul vom Pharmakonzern hingegen, motiviert aus finanziellen Gründen, der eine Pandemie plant…der hat schon andere Ansprüche (im Normalfall zumindest).

Stell dir vor, zu was dein Gegner in der Lage ist – und dann versuche es noch zu übertreffen. So entstehen großartige Konflikte, die jedes Leserherz höher schlagen lassen.

Frohes Schaffen,

L.

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