Cliffhanger – Lass den Held (und den Leser) baumeln

Wer kennt es nicht? Man sieht sich den mit Spannung erwarteten Film zur Primetime an und ist absolut gefesselt. Ein filmisches Meisterwerk, gerade ist der Held in größter Not, hat etwas erfahren, dass den Verlauf der gesamten Geschichte beeinflusst! Und jetzt, ausgerechnet jetzt… kommt Werbung.

Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten um zu reagieren: Entweder man ist enttäuscht,weil man die Werbung ansehen muss  – schließlich will man ja nichts verpassen oder man freut  sich über eine Klo/Zigarettenpause.

So oder so; Man ist Opfer eines Cliffhangers geworden.

Ein Cliffhanger ist also der Punkt der Handlung, bei dem an der spannendsten Stelle abgebrochen wird.

Ziel des ganzen ist es, den Zuschauer an das Geschehen zu binden: Wird es der Held schaffen, den Feinden zu entkommen? Wird Eva Mike ihren Seitensprung beichten? Die Spannung soll hochgehalten werden, der Konsument zur Neugier verleitet.

Das ganze Spielchen kann man auch wunderbar in Büchern einsetzen. Insbesondere Bücher mit mehreren Handlungssträngen bedienen sich dieses Mittels gerne.Genau an den entscheidenden Punkten wird ein Wechsel zu einem anderen, parallelen Handlungsstrang vollzogen, und der Leser muss ihn sich zu Gemüte führen, um zu erfahren, wie es weitergeht.
Das Problem an der Sache ist allerdings, dass jedesmal, wenn ein Cliffhanger gesetzt wird, die Handlung abgebrochen wird. Ja, abgebrochen. Nicht vertagt, verschoben oder verrückt. Abgebrochen. Das bedeutet für uns als Schriftsteller, dass wir es uns zweimal überlegen sollten, wo wir Cliffhanger einbauen – und wenn ja, wieviele.

Das ist ähnlich, wie der Probefahrt mit dem Auto im Autohaus. Wir wollen wissen, ob das Gefährt etwas für uns ist. Aber wenn das Auto jedesmal, wenn wir an der Ampel losfahren wollen abstirbt, werden wir es kaum kaufen.
Beispiel:

Heinz wird von der örtlichen Spaghettimafia verfolgt, weil er das Rezept für ihre ultrageheime Soße an sich gebracht hat. Seine einzige Chance zu entfliehen ist es, die Grenze zu überqueren. Er steht also an der Schranke, und wartet darauf, durchgewunken zu werden. Im Rückspiegel sieht er die sich nähernden Gestalten seiner Verfolger.

Strangwechsel: Heinz Oma hatte nebenbei ganz andere Probleme – Er hat sich seit Tagen nicht gemeldet, obwohl er jeden Tag vorbeischaut und mit ihr zu Mittag isst. Sie ruft die Polizei an, es klingelt an der Tür. Vor der Tür tehen drei Mafiosi. Was wird wohl passieren?

Das waren jetzt einfache Darstellungen von Cliffhangern. Das kann man sicherlich noch stärker ausbauen, aber zur Verdeutlichung ist dies wohl genau genug.

???Wie setzt du Cliffhanger ein? Was muss man noch beachten? Hinterlasse einen Kommentar! 🙂

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8 Thoughts to “Cliffhanger – Lass den Held (und den Leser) baumeln”

  1. Flo

    Wenn ich Cliffhanger verwende, dann meist so, wie es hier beschrieben wird, also am Ende einer Szene, doch ich habe bereits selbst gemerkt, dass zu viele von diesen die Spannung nicht mehr hochhalten, sondern irgendwann nur noch nerven. Wer sich der Cliffhanger bedient sollte also in und wieder auch den Bogen entspannen und einen Strang abschließen, ansonsten wird die Sehne und auch der Geduldsfaden des Lesers reißen.
    MfG, Flo 😉

    1. Genau so ist es Flo 🙂 Vielen Dank für deinen Beitrag 🙂 Kann man eine ungefähre Aussage treffen, wieviele Cliffhanger man benutzen darf? Oder denkst du, das ist subjektiv?

  2. Flo

    Ich würde sagen, dass hängt ganz von der Geschichte ab. Je nachdem, wie sich die Geschichte entwickelt, sind oftmals eine Menge Cliffhanger nicht einmal so schlecht. Auch hängt dies ganz vom Stil des Autors ab und natürlich auch davon, wie die Geschichte aufgebaut ist. Kurzum: Wenn sich eine gute Gelegenheit für einen Cliffhanger ergibt, sollte man nicht zögern, sie zu ergreifen. Einen zu erzwingen ist im Gegensatz dazu nicht gut, da man ihm seine Gestelltheit anmerken wird.

    Außerdem bin ich der Meinung – das habe ich bei meinem ersten Comment irgendwie vergessen 😀 – dass man neben dem Cliffhanger und dem Abschluss noch von einer Möglichkeit sprechen kann, in der man zwar einen Erzählstrang abschließt, damit die Gemüter des Lesers ein wenig beruhigt, sich jedoch noch einen weitere Strang offen lässt. Vor allem, wenn man die Geschichte episodisch aufbaut, ist das mit Sicherheit eine Möglichkeit.

    1. Definitiv, da stimme ich dir zu. Lose Fäden sind bei manchen Storys sehr interessant. 🙂

  3. […] höheren Ziel, aber sie unterbrechen. Und Unterbrechungen sind gemeinhin schlecht. Ähnlich den Cliffhangern kann man jedoch Flashbacks zum Spannungsabbau nutzen – indem man den Strang an der […]

  4. […] können die Neugier des Lesers anfachen; das lässt sich übrigens auch wunderbar mit Cliffhangern […]

  5. Wenn ich einen Cliffhanger einbaue, dann schreibe ich z.B. zuerst aus der Sicht von „A“ und wechsele dann zu „B“ über, der/die entweder nahe bei „A“ ist oder ganz woanders z.B. an einem anderen Ort (anders Zimmer, andere Stadt, anderes Land). Das ist nur eine Form des Cliffhangers.

    Herzliche Grüße

    Andrea

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